Wer an Afrika denkt, dem kommen ersteinmal wie klassischen Bilder von Löwen und Giraffen in den Kopf. Antilopen fliehen vor rasenden Geparden und gemütliche Elefanten trinken aus Wasserlöchern, in denen sich Krokodile tummeln und Affen schwingen sich im Dschungel von Baum zu Baum.
Doch zwischen dem Reisekatalog und der Realität liegen wieder einmal Welten, ohne, dass man hier jedoch auf eine Kostenrückerstattung hoffen darf.
So beginnt mein alltäglicher Kampf mit den wilden Bestien der Tropen nicht etwa in den Weiten der Savanne, sondern ganz unspektakulär im trauten Heim.
Und doch sind jede Bestien, die einen dort heimsuchen keinesfalls weniger schlimm, als jede, die einem in der freien Natur so gefährlich erscheinen. Fürchterliche Jäger durchstreifen das nächtliche Haus auf der Suche nach Nahrung und einige machen nicht einmal vor Beute halt, die die eigenen Ausmaße tausendfach übersteigt:
1. Die Moskitos, Luftkampf im Schlafzimmer
Wenn man sich entschließt die gemäßigten Gefilde zu verfassen und sich todesmutig in ein afrikanisches Land wagt, gibt es viele Nöte, Probleme, und Schwierigkeiten die einen vollkommen unerwartet überraschen. Moskitos sind jedoch keines von diesen.
Schon Monate im Voraus hat sich nämlich der höchst ordentliche Deutsche mit den stärksten Waffen im Kampf gegen diese Bedrohung gewappnet: Moskitonetz und eine ordentliche Wagenladung Insektenspray, mit der er sich am Morgen vor verlassen des Hauses auch gründlich einreibt.
Blöd nur, wenn man gegen Abend noch nicht zurück ist, wenn dieses Ungeziefer der Lüfte in schier endlosen Massen über eine herfällt, während es sich den ganzen Tag über, besonders als man noch bestialisch nach jenem Spray roch, das die Moskitos (durch seinen Gestank?) vertreiben sollte, nicht einmal blicken lassen hat.
Und doch tritt erst dann ein worst case Szenario ein, wenn folgendes Passiert: Nach einem anstrengenden Tag begibt sich der erschöpfte Deutsche in sein wohlverdientes Bett. Dieses ist natürlich zum Schutz gegen die Plagen der Tropen, mit einem gekonnt angebrachten Moskitonetz versehen und somit absolut sicher. Denkste, kaum ist nämlich das Licht erloschen und der Schlaf so gut wie eingetreten macht sich ein furchtbares Sägen nahe des Ohrs bemerkbar und der deutsche stellt fest: Da das Netz den ganzen Tag über fest verschlossen war muss der Moskitos wohl da sein wo er hingehört, nämlich draußen.
Dieser analytische Fehler wird ihm dann spätestens am Morgen auffallen, wenn er im Licht der aufgehenden Sonne über dem stark geschundenen Körper einen fetten, blutgetränkten Vertreter der Gattung Anopheles gambiae erblickt…
2. Die Heuschrecke Bedrohung,… für den Hunger
Eine gänzlich andere Art von Jagt steht einem hingegen bevor, sollte man in Kampala versuchen eine Heuschrecke zwischen die Finger zu bekommen.
Denn hier wird von Moskitos oft gejagte (Mensch) selbst zum Jäger. Mit Bodaboda dem Taxi oder zu Fuß geht es gradewegs zum nächsten Markt um diesen Krabbler ausfindig zu machen. Hat man endlich ein paar Heuschrecken ausgemacht, ist es einfach sie zu schnappen. Schon wenige Schillinge reichen aus und der tapfere Jäger nennt eine ganze Tüte sein eigen. Und das fertig Fritiert!
Heuschrecken gelten nämlich, was will man auch von Afrika erwarten, als ausgesprochene Delikatesse. Immer wenn grade Saison ist, und die ist den ganzen europäischen Winter über, sind diese Lustigen Insekten gekocht oder öfter Frittiert überall in der Stadt zu bekommen.
Natürlich habe ich, mich selbst zum Versuchskaninchen befördernd, auch schon bereits Heuschrecke gekostet. Eines Tages konnte ich der Versuchung auf dem Rückweg nachhause nicht wiederstehen und erwarb eine kleine Tüte.
Und der erwartete Schrecken blieb aus. Nachdem ich die ersten Heuschrecken probiert hatte, stellte ich fest, dass die Heuschrecke an sich doch ziemlich manierlich und schmackhaft ist. Einzig die großen Augen die einen auch nach dem Ableben der Mahlzeit stetig betrachten sollte man besser ignorieren, da einem sonst schnell der Appetit vergeht. Geschmacklich jedoch erfüllt die Heuschrecke jedoch alle Anforderungen und würde sich hervorragend als Kino- oder Fernsehsnack eignen!
Und was würde Bear Grylls dazu sagen: There is a lot of protein in it!
Jedenfalls in Uganda…
3. Die Kakerlake; la cucaracha, la cucaracha…
Unter den vielen Wildtieren in ugandischen Häuser ist wohl keines so international, wie dieser nächtliche Besucher, und keines so verhasst.
Besonders wenn man sich auf einen nächtlichen Rundgang in der eigenen Behausung einlässt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man auf eine Kakerlake trifft, und sich zu recht ekelt.
Denn Kakerlaken vereinen so ziemlich alles was sie die Natur an Gemeinheiten für Krabbelviecher ausgedacht hat: Sie ist groß (jedenfalls oft), schnell, und ist sogar flugfähig, hat einen starken Panzer, Frisst alles (wirklich), und verbreitet dabei noch alle möglichen Infektionen. All das sorgt schließlich dafür, dass ich für dieses Insekt, anders als zum Beispiel für die großen Ameisen in meinem Badezimmer, kein Mitleid hab.
Nicht mal ein bisschen. Denn nicht einmal essen kann man sie. Selbst in Uganda nicht.
Wird nun einer dieser Entdeckt, stellt sich zwangsläufig die Frage wie man dieser Spezies beikommen soll, die sogar einen Atomkrieg zu überleben vermag.
Obwohl die Feldversuche weiter andauern zeigen die vorläufigen Ergebnisse, dass kein anderes Mittel so gut für den Kampf gegen den sechsbeinigen Schrecken alias Küchenschabe, alias Blatta orientalis geeignet wie: Flipfloplatschen!
Ein gezielter Hieb reicht aus und der Eindringling liegt noch flacher als er ohnehin schon ist.
Jetzt nur noch wegwischen und die Wohnung ist wieder schabenfrei…. Vorerst.
So ist und bleibt der ewig währende Kampf zwischen Insekt und Mensch vorerst unentschieden Und solange es dabei bleibt kann ich mich glücklich schätzen denn von einer vollständigen Vertreibung der Nächtlichen Besucher ist wohl nahezu jeder Ugander so weit entfernt wie ich es im Moment von Deutschland bin.
Unbeugsame Grüße, aus dem Kampfgebiet Wohnung
Euer und ihr,
Carsten
Iiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhh!!!
AntwortenLöschenDann lieber frieren in good old germany!
tin