Ein Dorf,
fernab jeglicher Zivilisation in dem die Menschen wie im 17. Jahrhundert leben
umgeben von Wildnis in der ein unbekanntes Grauen herrscht.
Wer kennt
nicht, den Horrorklassiker The Village, der im Deutschen mit das Dorf
Untertitelt wird und der ebenso vielversprechend anfängt wie er am Ende
enttäuscht.
Und wer
hätte gedacht dass dieses Dorf Wirklichkeit ist. Hier in Uganda! Einsam,
abgelegen mit einem Leben wie vor hunderten von Jahren.
Aber ich
sollte von vorn beginnen:
Kurz nach
meiner Rückkehr aus Kigali (Ruanda) ging es für mich erneut auf große Fahrt,
denn Otto der Leiter des Comboni-Haus, in dem ich ja bekanntlich wohne, hatte
mich für die Zeit von Weihnachten bis Neujahr in sein Heimatdorf im Norden
Ugandas eingeladen.
So bestieg
ich also, mal wieder, einen dieser famosen Ugandischen Reisebusse, die sich vor
allem durch ihre fünf Sitze pro Sitzreihe und eine Beinfreiheit auszeichnen,
gegen die Ryanair wie der reiste Luxus erscheint, um eine circa vierzehn (!) Stündige
Fahrt in Richtung Agago District anzutreten.
Doch dabei
soll auch nicht vergessen werden dass diese Gefährte reiferen Alters, die meist
dem Hause Isuzu oder Tata entstammen, auch ihre Vorzüge haben, wie ich in den
letzten Wochen erfahren durfte: Zum einen lassen sich nämlich die Fester
öffnen, was nicht nur die fehlende Klimaanlage ausgleicht, sondern einen
ebenfalls in die glückliche Lage versetzt, in Kurzen Stopps am Wegesrand kühle
Getränke, gebratene Bananen, Fleischspieße, Heuschrecken, Erdnüsse und so viel
mehr von Händlern zu erwerben, die sich auf den Verkauf an Busreisende
Spezialisiert haben und deren Leckereien auch über manch anderen Nachteil der
Reise hinwegtrösten. Zum anderen scheint es nämlich als sei der Bus das mit
Abstand schnellste Vehikel auf Ugandas Straßen und während in Deutschland Busse
eher als Verkehrshindernis Taugen setzen Ugandische Busfahrer mit Vorliebe zu
Waghalsigen Überholmanövern gegen PKW oder Motorräder an, wobei die
Straßenverhältnisse nicht von entscheidender Bedeutung sind.
Dennoch
bleibt ein Bus immer ein Bus und auch vierzehn stündige Busreisen, werden immer
eine Tortur bleiben.
Dennoch
erreichten wir schließlich ein kleines Dörfchen bestehend aus wenigen kleinen
Hütten. Jedoch nicht in der Nähe der nordugandischen Großstadt Gulu, wie ich
erwartet hatte, sondern weit abgelegen fernab jeglicher Zivilisation in den
Tiefen eines kleinen Distrikts mit dem wohlklingenden Namen Agago.
Die Realität
dort stellte sich jedoch bald als weit weniger wohlklingend heraus.
Denn obwohl
das Dorf sich als Hort der unterschiedlichsten Ugandischen Spezialitäten
herausstellte , bei denen die Nennung des Namens zu eher wenig Aufklärung
führen würde, hatte es einige größere Nachteile, die man auch gut und gerne als
das Grauen des Dorfes beschreiben kann.
So bestand
ein gravierender Nachteil des Dorflebens in den Traditionen Afrikas. Während
die Frauen während der Weihnachtszeit den ganzen Tag über damit beschäftigt
waren Essen zu zubereiten und zu servieren. Da zur gleichen Zeit die Feldarbeit,
die Aufgabe der Männer entfiel verlegte sich ein Großteil der männlichen
Dorfgemeinschaft auf den Konsum örtlicher alkoholhaltiger Getränke (local
brews) und war, als sie zu mir kamen, denn natürlich mussten alle des gefühlt
ersten Weißen seit Livingston begrüßen, in einem Zustand der eine gepflegte
Kommunikation leicht erschwerte.
So kam es unter anderem zu der Situation, dass
ein Entfernter Verwandter Ottos, mir seinen ebenfalls angeheiterten Onkel
vorstellte. Jedoch schien er den Eindruck zu haben ich hätte ihn nicht richtig
verstanden, denn kurz darauf stellte er mir seinen Onkel erneut vor. Und
schließlich gut fünf Minuten später erneut.
Dies sollte
sich nun gut zwanzigmal wiederholen, bevor ich mich schließlich anderen
Gesprächspartnern zuwandte.
Doch man
muss den Männern des Dorfes verzeihen, denn außer sich zu betrinken gab es in
Geregere nicht wirklich etwas zu tun. Ganze Tage verbrachte ich mit Essen und
herumsitzen, während sich die Menschen um mich herum in Luo unterhielten und
selbst das Handynetzwerk, was für Uganda ungewöhnlich ist, vor dieser
Abgelegenheit kapituliert hatte und ein dickes rotes X anzeigte.
So hielt ich es ganze vier Tage aus, bevor ich mich entschloss die Flucht zu ergreifen und
eine Woche früher als geplant wieder in die verhältnismäßige Zivilisation
zurückzukehren.
Da nahm ich
auch die zwölf Stunden Busfahrt gerne in Kauf, die mich schließlich zurück nach
Kampala Brachten.
Fazit:
Ugandische Dörfer sind wunderschön, mit einem beeindruckenden Sternenhimmel und
toller Savannenumgebung. Als Wohn- und Aufenthaltsort taugen sie jedoch nur,
wenn man entweder Farmer ist, oder eben diesem Dorf entstammt und einen
praktisch jeder dort mit Onkel begrüßt.
Ansonsten
werden sie schnell zum Hort der Trunksucht und oder Lageweile.
Euer und ihr
Carsten
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